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5. Frankfurter Immobiliengespräche am 20. September 2004Standort Frankfurt: Verlierer der Einheit?Frankfurt im Wettbewerb
Von F wie Flughafen bis T wie Trendsetter
Frankfurt am Main. Über 100 hochrangige Gäste aus der Immobilienwirtschaft folgten der Einladung von DeTeImmobilien, Deutsche Telekom Immobilien und Service GmbH, zu den 5. Frankfurter Immobiliengesprächen. Dr. Hugo Müller-Vogg, Buchautor und Kolumnist, nahm als Gastredner Stellung zu der aktuellen Situation der "kleinen Großstadt" Frankfurt. Seine These: Die Berliner Republik hat für Frankfurt eine neue Wettbewerbssituation geschaffen, die die als Boom-Town bekannte Stadt auf neue Weise fordert. Die Ursachen sieht Müller-Vogg in der schleichenden Zentralisierung. War früher Bonn zwar Regierungssitz, so fiel die klassische Hauptstadtrolle jedoch auf unterschiedliche Zentren, die jeweils für sich verschiedene Aspekte einer "Hauptstadt" abbildeten. Frankfurt nahm die Rolle der Wirtschafts- und in Teilen der Kulturhauptstadt ein. Dies hat sich in den letzten 15 Jahren deutlich verändert. "Die Berliner Republik hat – eben anders als die Bonner Republik – mit der alten, neuen Hauptstadt ein politisches Gravitationszentrum," findet der ehemalige Herausgebers der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.
Müller-Vogg definiert Frankfurt entsprechend seinen Buchstaben nach neun Themenfeldern: F lughafen, R uhelosigkeit, A rbeit, N ähe, K ommunikation, F inanzplatz, U rbanität, R egionalität und T rendsetter. Sorgte dieses Profil in der Vergangenheit noch für ein überaus gesundes Frankfurter Selbstbewusstsein und eine erfolgreiche Stadtentwicklung, ist dies heute für ihn nicht mehr überall der Fall. Als Beispiele führt er den Rückzug aus der Bewerbung zur europäische Kulturhauptstadt oder die Schwierigkeiten mit dem Ausbau des Flughafens an.
Chancen im Wettbewerb mit Berlin und mit anderen europäischen Metropolen sieht Müller-Vogg in der Stärkung der Rhein-Main-Region. Und kritisch merkt er an: "Die Region ist eine Einheit, aber sie hat große Defizite: Die Region hat keine politische Struktur, sie hat keine gemeinsame Kasse, sie ist nicht handlungsfähig. Wir tun hier immer noch so, als konkurriere Frankfurt mit Mainz oder Darmstadt – und umgekehrt. Und wir übersehen dabei, das wir gemeinsam in Konkurrenz stehen zu Berlin, zu London, Mailand und Paris."
Im Moment ist für den Frankfurter Publizisten Mainhatten noch ein Gewinner der Einheit. Aber mit Berlin bekommt die Metropole am Main neuen Wettbewerb zu spüren. "Frankfurt hat gute Chancen im vereinten Deutschland wie im zusammenwachsenden Europa eine herausragende Rolle zu spielen und eine der „lebenswerten europäischen Hauptstädte“ zu werden. Wenn es das will. Vor allem aber, wenn Frankfurt und die Region endlich gemeinsam ihre Stärken ausspielen.", lautet das insgesamt positive Fazit des kritischen Frankfurtkenners Müller-Vogg.
"Eine scharfsinnige Analyse der aktuellen Situation." so beurteilte Dr. Gerhard Niesslein, Vorsitzender der Geschäftsführung von DeTeImmobilien, die Ausführungen Müller-Voggs.
Die nächsten Immobiliengespräche finden als Abendveranstaltung (mit Begleitung) am 8. Dezember um 18 Uhr statt. Thema: Brillianz braucht Solisten, Teil 2, mit Thomas Bubendorfer. Interessenten melden Sie sich bitte bei: mailto:andreas.kosch(at)deteimmobilien.de.
Dr. Hugo Müller-Vogg (56) war 24 Jahre lang Redakteur der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", davon 13 Jahre als Herausgeber. Seit Herbst 2001 arbeitet er als Kolumnist und Kommentator für verschiedene Medien, u.a. BILD, Welt am Sonntag, BZ. Er ist zudem häufig Gast in politischen Talkrunden im Fernsehen und Autor mehrerer Bücher zu politischen und wirtschaftlichen Fragen, zuletzt "Horst Köhler: Offen will ich sein und notfalls unbequem".
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